Freitag, 24. September 2010

Der Ball ist rund und die Woche hat sieben Tage...


Unter Auswärtsfans

Wir nähern uns der 70.Minute und Hernan, der mich mit ins Stadion genommen hat, wird zunehmend nervöser. Das zweitstärkste Team aus Guayaquil, Emelec, ist zu Gast beim zweitstärksten Team aus Quito, Deportivo. Es geht um die internationalen Plätze und Emelec liegt mit 1:0 hinten. Die Stimmung im Gästeblock wird dementsprechend gereizter und mein Schimpfwortschatz füllt sich im Sekundentakt. Bis dahin war die Stimmung großartig, der Gästeblock ist randvoll. Emelec ist ungefähr so wie die Teams aus dem Ruhrpott, egal wie erfolgreich das Team ist, die Fans sind mit dabei und feuern lautstark an. Das gesamte Stadion ist allerdings höchstens zu einem Viertel gefüllt. Bei Eintrittspreisen von 8 Dollar in einem Land, in dem der monatliche Mindestlohn bei 250 Dollar liegt und 50 Prozent der Jugendlichen arbeitslos sind, ist das auch kein Wunder.

80. Minute - Mal wieder kommt ein Fan des Gästeteams vorbei, um Geld für die Heimfahrt zu sammeln. Schon vor Spielbeginn haben sich so einige Fans überhaupt erst den Eintritt erbettelt. Neben mir streiten sich drei verdreckte, achtjährige Schuhputzer um das letzte Stück Mango. Und Hernan winkt schon wieder die Verkäuferin mit dem Kind auf dem Rücken zu uns, um den nächsten Krug Bier zu ordern. Für ihn ist es ein Highlight, Emelec in seiner Heimatstadt spielen zu sehen und dementsprechend lässt er sich beim Bierkonsum auch nicht davon abhalten, dass wir bereits seit halb elf im Stadion sind. Durch ein neues Gesetz ist der Bierverkauf an Sonntagen nur in Restaurants und im Stadion erlaubt. Eine verquere Logik, wenn man bedenkt, dass in Deutschland nur noch alkoholfreies oder Leichtbier im Stadion verkauft wird.

89.Minute - Das Spiel nähert sich dem Ende, es wird nochmal hitziger: Rudelbildung und Schlägerei – beide Teams verlieren kurz vor Ende noch einen Spieler durch rote Karten. Ein letztes Mal ergehen sich die Gästefans in Hasstiraden gegen die Haupttribüne und den Schiedsrichter, dann ist das Spiel aus. Einige Becher fliegen, aber sonst gehen die Verlierer eigentlich friedlich aus dem Stadion. Doch von einer Sekunde auf die andere stürmt das Polizeieinsatzkommando in die Katakomben, keiner weiß was passiert ist. Am nächsten Tag erfahre ich aus der Zeitung, dass sich der Co-Trainer von Emelec eine Schlägerei mit der Polizei geliefert hat und gesperrt wurde. 

Das wäre vermutlich die größte Fußballschlagzeile der Woche gewesen, wenn da nicht der ehemalige Schiedsrichter Byron Moreno wäre. Der bisher einzige internationale Schiedsrichter Ecuadors hatte bei der WM 2002 seinen großen Auftritt hatte, als er die Italiener gegen Japan verpfiffen hat. Nun ist er mit Heroin im Wert von einer Million Dollar in New York verhaftet worden. Dagegen wirkt Hoyzer wie ein Kleinkrimineller.

Mit dem Fußballprojekt im Nordwesten

Da ich dem Projekt „A Ganar“ helfen soll ein Präsentationsvideo zu drehen, wollen sie, dass ich alle Regionen kennenlerne, in denen das Projekt momentan läuft. 
Dieses Mal geht es in den Nordwesten Pichinchas, der Region, in der Ecuador liegt. Im ersten Ort läuft gerade Unterricht in „Tourismusführung“, in einer strukturschwachen Region die einzig realistische Karriereoption. Die Jugendlichen zwischen 17 und 25 sind extrem undiszipliniert. Als weitere Ablenkung hat eine ihr Kind mitgebracht, das noch weniger Begeisterung für den Unterrichtsstoff zeigt als die Jugendlichen. Im zweiten Ort läuft es wesentlich disziplinierter. Zwei deutsche Freiwillige unterrichten gerade Englisch. Während die Jugendlichen Übungssätze schreiben, erklären mir die beiden, dass kaum Fortschritt zu erkennen sei. Während ich an der Tafel die Übung zum Gerundium sehe, frage ich mich, warum sie in der zweiten Woche bereits schwierige Grammatik unterrichten, wenn sie das Gefühl haben, dass ihre Schüler noch nicht mal die einfachsten Dinge beherrschen. 
Am nächsten Morgen fahren wir weiter in die nächste Stadt, dieses Mal nur um Administratives zu besprechen. Hernan und Willy diskutieren darüber, wie viel Sinn es macht Sexualkunde zu unterrichten, wenn ein Viertel der Klasse bereits eigene Kinder hat. Sie einigen sich darauf, den Unterricht auch auf Kindererziehung auszuweiten. 
Wieder merke ich, wie sinnvoll es ist, dass ich bald selbst englisch unterrichte, in einem Land, in dem selbst viele Hochschulabsolventen mehr schlecht als recht englisch sprechen, werden günstige beziehungsweise freiwillige Englischlehrer händeringend gesucht. Willy bittet mich deshalb an der Universität zu fragen, ob nicht vielleicht jemand der Austauschstudenten einen Tag pro Woche unterrichten könnte. Im letzten Ort unserer Tour sehe ich dann die Früchte der Arbeit von „A Ganar“. Die Leitung in diesem Ort haben zwei ehemalige Teilnehmer des Projektes übernommen und auch ein Großteil der restlichen ehemaligen Teilnehmer ist aktiv daran beteiligt, die Situation der Gemeinde zu verbessern.

Nachdem ich nun mehr vom Projekt kennengelernt habe, freue ich mich noch mehr darauf, nächste Woche selbst mit dem Unterricht loszulegen.

Aber am Wochenende vorher geht es erstmal in die Kleinstadt Latacunga, wo das traditionelle Fest „Mama Negra“ gefeiert wird. Ursprünglich eine katholisches Feier, vermischte es sich mit indigenem und afrikanischem Traditionen zu einem karnevalsähnlichem Straßenfest, bei dem vor allem Touristen dazu gezwungen werde, große Mengen Schnaps zu konsumieren!

Entonces, hasta la próxima!

Erkenntnisse der dritten Woche:
- selbst in Ecuador schaffe ich es nicht im Heimfanblock zu stehen
- sonntags gibt es Bier nur im Stadion und in Restaurants
- nachdem ich diese Woche bei zwei Deutsch-Präsentationen geholfen habe, bin ich mir sicher, dass ich hier als Deutsch-Lehrer reich werden könnte
- wenn ein Viertel der Schüler eigene Kinder hat, ist Sexualkunde irgendwie ironisch

Freitag, 17. September 2010

Von einem Fest zum nächsten

Mittlerweile bin ich seit zwei Wochen in Ecuador. Ich schreibe fleißig an meiner Magisterarbeit und besuche meine Seminare. Der erste Besuch in Quitos Vergnügungsviertel endete in einer, zur Disco umgebauten, Garage.




Der spannendere Teil des Wochenendes folgte allerdings erst am Samstag.

Ein Tag im armen Süden Quitos

Nachdem mich jeder davor gewarnt hat, in den südlichen Teil Quitos zu gehen, habe ich am ersten Wochenende noch gezögert, der Einladung eines ecuadorianischen Freundes zu folgen. Aber entgehen lassen, wollte ich mir diese Erfahrung auch nicht.



Am zweiten Wochenende machte ich mich mit zwei singapurischen Austauschstudenten, deren Neugier ebenfalls größer als die Furcht war, auf den Weg Richtung Süden. Im Stadtzentrum trafen wir uns mit Jorge Luis.


Jorge Luis hat mich an meinem ersten Tag auf den Straßen des Centro Historico angesprochen, weil er Spenden für ein Sozialprojekt sammelte. Er ist 24 Jahre alt und hat bis vor kurzem Kunst studiert. Da selbst die günstigste Universität in Quito 1000 Dollar im Monat kostet, musste er sein Studium nach dem Tod seines Vaters allerdings aussetzen. Jetzt arbeitet er, um sein Studium nächstes Jahr fortsetzen zu können. Nebenher lernt er deutsch, da er sich bei einem Besuch in der Schweiz in die „deutsche“ Kultur verliebt hat.

Vom Zentrum ging es weiter ins Barrio „La Lucha de los Pobres“. Wenn ich mir einen Namen für mein erstes Armenviertel in Lateinamerika hätte ausdenken müssen, wäre mir wahrscheinlich keiner eingefallen, der stereotyper ist: Auf deutsch heißt das Viertel nämlich „Der Kampf der Armen“. Das Viertel liegt auf einem Hügel, von dem man einen traumhaften Blick über den Süden Quitos hat.






Im Barrio aßen wir zunächst zu Mittag und lernten die ecuadorianische Variante des Billards kennen.Dabei trafen wir einen soliden Frühschopper, der bereits mittags gut einen sitzen hatte.




Anschließend spazierten wir durch das Barrio, spielten Fußball und Ecua-Volley.



Nachdem wir die Freunde von Jorge Luis kennengelernt hatten, erwartete uns der krönende Abschluss: „La Fiesta del Barrio“. Für zwei Dollar Eintritt durften wir in die kahle Gemeindehalle, wo sich Alt und Jung zu lateinamerikanischen Rythmen aus scheppernden Boxen bewegten.





 Das Getränk des Abends war „Ecua-Vino“, eine süße Plörre aus Tetrapacks.







Für 15 Dollar brachte uns ein Freund von Jorge Luis im Anschluss zurück in die andere Welt im Norden Quitos.

Der Tag war eine der spannendsten Erfahrungen, die ich bisher in Lateinamerika gemacht habe und es wird definitiv nicht mein letzter Besuch in „Lucha de los Pobres“ gewesen sein!


Wie ich mit einem Nationalspieler auf einem Dorffest landete...

Am Mittwoch durfte ich die „Fundación de las Américas para el Desarollo“, für die ich ab nächster Wochenende im Amazonasgebiet Englisch- und Computerunterricht geben werde, in die Küstenprovinz „Los Rios“ begleiten. Dort stand die Präsentation ihres neuen Programmes auf dem Plan.


Das Programm „A Ganar“ wird in verschiedenen Dörfern Ecuadors bereits erfolgreich durchgeführt: Nachdem die Jugendlichen beim Fußballspielen Werte wie Disziplin und Teamfähigkeit lernen, werden sie in der zweiten Stufe beispielsweise in Englisch unterrichtet. In der dritten Stufe folgt ein Praktikum und Freiwilligenarbeit, ehe sie schlussendlich in eine Ausbildung gebracht werden sollen.Vorbei an den Fünftausender-Vulkanen ging es in unzähligen Serpentinen abwärts ins Land der Monokulturen. Zwischen endlosen Bananenplantagen erfragten wir uns den Weg zum Elternhaus des Schirmherrs der Organisation.

Patricio „Pato“ Urritia spielt bei „Liga de Quito“, dem FC Bayern Ecuadors, die gerade erst wieder den lateinamerikanischen Supercup gewonnen haben. Von der idyllisch gelegenen Ranch ging es mit „Pato“, der extra für einen Abend in den Süden geflogen war, zur Präsentation. Den Auflauf, den der ehemalige „Liga“-Kapitän verursachte, kann man sich ungefähr vorstellen. Und als ob ich es anziehen würde, stellte der Bürgermeister neben dem Projekt „A Ganar“ in einer vollgestopften Power-Point-Präsention das neue Recycling-Projekt vor, dass Ventana zur zweiten ecuadorianischen Modellstadt machen wird.

Im Anschluss an das Festbankett kam der weitgereiste Gast dann zur großen Ehre sein erstes Interview auf spanisch geben zu dürfen, so dass mein brüchiges Spanisch wohl demnächst im ecuadorianischen Regional-Radio zu hören sein wird.




Danach besuchten wir mit Pato und seiner Mutter ein Dorffest zu Ehren irgendeiner Jungfrau. Einem gigantischem Feuerwerk folgte eine Tanzveranstaltung auf dem Bolzplatz neben der Kirche.






Nach einigen Bier erzählte mir der Nationalspieler, wie sich das Team nach dem Achtelfinal-Aus gegen England bei der WM 2006 in Bad Kissingen zwei Tage lang volllaufen ließ, um das gute Abschneiden zu feiern. Den ganzen Abend war er so volksnah, wie ich es mir in Deutschland nur schwer vorstellen kann. So gab er nicht nur den ganzen Abend Autogramme und ließ sich unzählige Male fotografieren, wie es jeder Profi tun würde, auf dem Weg von Ventana ins Dorf nahm er auf der Ladefläche und in seinem Pick-Up jeden Jugendlichen und jede alte Dame mit, denen ansonsten ein weiter Fußweg bevorgestanden hätte.




Die Nacht verbrachten die Hälfte von uns im Haus seiner Mutter, die andere Hälfte im Haus, das er 200 Meter weiter für den geschiedenen Vater bauen ließ.











Aufgrund einer Reifenpanne durfte ich am nächsten Morgen noch der hohen Kunst des Autoreifenflickens beiwohnen. Selbst in Ecuador ist dies nur noch selten so ein kunstvolles Handwerk.









Der Besuch im Süden war eine schöne Erfahrung ecuadorianischer Gastfreundschaft und ich freue mich schon, ab Montag selbst helfen zu können.

Fürs kommende Wochenende stehe ich vor dem Luxus der Qual der Wahl: Ich könnte entweder zum DJ-Wettbewerb in „Lucha de los Pobres“, zu einem Fußballspiel ins Stadion oder der Einladung meiner Frisörin folgen und zu einem Familientreffen im Umland Quitos mitgehen!

Entonces, hasta la próxima!

Erkenntnisse der zweiten Woche:
- die ecuadorianische Landschaft ist traumhaft schön
- auch hier schmeckt Jägermeister
- nicht nur Süddeutsche verstehen etwas vom Frühschoppen
- das Volleyball für Spätentwickler ist anspruchsvoller als es aussieht
- Turnhallenparties sind nicht nur bei uns grenzwertig
- süßer Wein macht weniger Kater als befürchtet
- was bei uns das Navi ist, sind hier unzählige Fragen
- die Probleme der Ortsfindung setzen sich fort
- wenn man es „nur“ in die Top-500 der ATP-Tennis-Weltrangliste geschafft hat, muss - man sich als Nigerianer anschließend als Tennistrainer in Ecuadorianer durchschlagen
- dabei erlebt man mehr Rassismus als in Europa
- Bürgermeister reden auch in Ecuador gerne
- ob ich Recycling anziehe oder umgekehrt, muss in Zukunft noch geklärt werden
- die Anziehungskraft von Mikros und Medien ist dagegen eindeutig erwiesen
- nicht nur Kommunikationswissenschaftsstudentinnen stopfen Power-Point-Folien zu voll
- es muss geklärt werden, ob der Pick-Up so heißt, weil man hier Leute damit aufsammelt

Freitag, 10. September 2010

Die erste Woche

Eine Woche ist nun schon vergangen, seit ich gefühlte fünf Meter über den Hausdächern Quitos gelandet bin. Viel ist seither passiert, es wird Zeit für eine erste Bilanz:

Wie ist Quito?

Vor allem zwei Adjektive beschreiben Quito: Hoch und lang.
Auf 2800 m über dem Meeresspiegel gelegen, ist Quito höchste Hauptstadt der Welt. An den ersten paar Tagen hat sich die Höhe extrem bemerkbar gemacht. Nach etwas Treppensteigen oder schneller einen der vielen Hügel hochgehen, konnte ich zum ersten Mal nachvollziehen, wie es als Kettenraucher sein muss. Nicht umsonst gewinnt die ecuadorianische Nationalmannschaft regelmäßig gegen stärkere Gegner zu Hause, den Brasilianern oder Argentiniern geht spätestens nach 70 Minuten die Luft aus.
Quito ist aber nicht nur eine der höchsten Großstädte der Welt, sie ist auch gemessen an nur zwei Millionen Einwohnern eine der längsten Städte der Welt. Umgeben von Bergen ist sie selten breiter als drei Kilometer, zieht sich aber über 30 Kilometer durch ein Tal. Und die Einteilung ist sehr klar, im Norden leben die Reichen, im Zentrum die Mittelschicht und im Süden die Armen. Die einzige Ausnahme der Einteilung ist der Mariscal oder „Gringolandia“, ein Teil des Stadtzentrums, wo sich Hostels und Bars aneinanderreihen.

Wie ist die Uni?

Reich und schön. So arm kommt man sich wohl sonst nur in einem Münchner BWL-Kurs vor. Mit 4000 Dollar Studiengebühren pro Semester können an der Universidad San Francisco de Quito nur die Reichsten der reichen Ecuadorianer studieren. Dafür ist das Studienangebot und die Universität großartig.
Direkt am ersten Wochenende ging es mit den anderen Austauschstudenten zu einem Welcome-Trip in eine Hacienda in die Berge. Es war ein wenig wie Springbreak in den Anden, aber auf jeden Fall alles wovon einem Mediziner am ersten Wochenende im Hochgebirge abraten würden: Noch höher fahren, bewegungsintensive Trinkspiele und daraus resultierend frühmorgens viel Alkohol.
Ich belege den Kurs "Temas de Latinoamérica" und wenn ich gerade folgen kann, ist es sehr interessant, Diskussionen über die lateinamerikanische Politik aus einer anderen Perspektive zu hören.

Wie wohne ich?

Ich wohne zur Untermiete bei einer sehr netten 29-jährigen Ecuadorianerin, die in einem Outdoor-Reisebüro arbeitet. Die Wohnung liegt in einer „Gated Community“ im Norden Quitos. Zu meiner großen Beruhigung war der einzige Zeitpunkt, an dem das Tor nicht verschlossen und kein Wächter zu sehen war, als ich letzte Woche um ein Uhr nachts angekommen bin.

Wie ist das Wetter in Quito?

Unterschiedlich. Da Quito nur fünfzig Kilometer südlich des Äquators liegt, gibt es kaum Jahreszeiten. Durch die Höhe schwanken die Temperaturen aber im Tagesverlauf deutlich. So gehen die Temperaturen nachts teilweise auf sieben Grad herunter, während es tagsüber zwischen zwanzig und fünfundzwanzig Grad werden können. Für jemanden, der so latinomäßig veranlagt ist wie ich, bedeuten die angenehmen Temperaturen tagsüber allerdings eine große Gefahr: Nur weil sich die Sonne auf knapp 3000 Meter nicht warm anfühlt, heißt das noch lange nicht, dass man sich nicht einen guten Sonnenbrand einfangen kann.

Wie bewegt man sich in Quito fort?

Der öffentliche Nahverkehr ist im Verhältnis zu dem, was ich aus Mittelamerika kenne, sehr gut ausgebaut. Drei Metrobusse fahren auf Extraspuren sehr zügig die wichtigsten Hauptverkehrsstraßen ab. Die Extraspuren werden dementsprechend auch gerne von Joggern, Radfahrern und Polizeieinsatzfahrzeugen genutzt, was in Kombination mit den Bussen zu spektakulären Manövern führt. Ich habe bisher höchstens einige Minuten auf den Bus warten müssen und jede Busfahrt, auch die zur in einem Vorort gelegenen Uni, kostet 25 Cent. Etwas komplizierter wird es, wenn man nicht zu einem der Haltestellen der Metrobusse möchte, aber entweder helfen einem die sehr freundlichen Ecuadorianer oder man fährt mit einem der sehr günstigen Taxis.

Wie sicher ist Quito?

Dazu kann ich sicher erst etwas sagen, wenn ich etwas länger hier bin. Aber der erste Eindruck ist sehr gut. In den Bussen darf man seinen Rucksack natürlich nicht aus den Augen lassen und nachts sollte man ein Taxi nehmen, aber momentan fühle ich mich hier wesentlich sicherer als in den meisten lateinamerikanischen Ländern, die ich kenne.

Die Erkenntnisse der ersten Woche:

- nur weil die Sonne nicht warm ist, heißt das nicht, dass sie nicht brennt
- Fußball spielt sich auf 2800 Metern etwas anders als in München
- ein Jetlag kann durchaus praktisch sein, wenn man mit seiner Magisterarbeit vorwärts kommen will
- Ecua-Volleyball sieht ein bisschen aus wie Sport für Spätentwickler
- das wahrscheinlich Lebensgefährlichste in Quito ist, eine Straße zu überqueren
- nur weil man eine genaue Adresse hat, heißt das noch lange nicht, dass man dort einfach hinkommt
- Behördengänge verzögern sich gerne mal durch falsche Adressen oder willkürliche Mittagspausen
- Almuerzos (günstige Mittagsmenüs) sind zwar eine sehr praktische Angelegenheit, aber jeden Tag Reis muss dann doch nicht sein
- was die Leute von ihrem linken Präsidenten Correa halten, hängt stark vom Geldbeutel ab
- dafür sind die Ecuadorianer, unabhängig von ihrem Geldbeutel, ein sehr nettes und hilfsbereites Volk

Fürs Erste soll es das gewesen sein.
In der nächsten Woche werde ich wohl zum ersten Mal das Nachtleben erkunden, mit einer ecuadorianischen Zufallsbekanntschaft den Süden Quitos anschauen und zum ersten Mal das Fußballsozialprojekt besuchen, in dem ich in den nächsten Monaten Englisch- und Computerunterricht geben werde.

Entonces, hasta la próxima!

Die Bilder der ersten Woche